TagesGedanken | 19.09.18 | Dinge im Wandel

Viel passiert, viel angestoßen. Es fühlt sich gut und richtig an.

Doch was war jetzt eigentlich der Auslöser, wo kam plötzlich der Wille her es durch zuziehen? Das „Vorhaben“ lag schließlich seit mehr als 13 Jahren gut verschlossen im Inneren.

Ich denke es war einfach an der Zeit den Kreis zu durchbrechen. Die Geburt meiner Tochter hat mich an meinen Mustern zweifeln lassen, die plötzlich auftauchenden Beziehungsproblemen mit meinem Mann kamen mir zu bekannt vor. Zu oft hatte bin ich schon in den Abwärtsstrudel geraten, hab mich unverstanden gefühlt. Unbeachtet. In meinen Wünschen und Bitten nicht gehört. Hörte dafür mal wieder den Satz, dass man es mir überhaupt nicht recht machen könne. Der einzige Unterschied dieses Mal – diese Person war eine andere. Kein Arschloch, kein Betrüger und auch kein narzisstischer Mensch. Er war einer von den Guten, einer der um MICH gekämpft hat, der mich vergöttert, dem ich an den Augen ablesen konnte, dass er mich liebt. Einer von denen, die man nicht so oft trifft. Und doch, hatte ich es fast geschafft, auch diesen Mann zu vergraulen. Aber ich wollte es nicht, wollte ihn nicht verlieren, wollte nicht, meine eigene Familie zerstören. Ich wollte und will, dass es funktioniert. Dass wir funktionieren. Nicht weil es das muss, sondern weil ich das will. Für uns, für unsere Tochter und weil ich weiß, dass es so gut passt.

Also warum kamen plötzlich wieder die alten Muster hoch? Die, die ich bei den Idioten angewendet hatte, weil ich die doch gar nicht liebte. Die waren irgendwie nur dazu da, einem bestimmten Typ Mann zu beweisen, dass ich eben doch „gut“ bin. Welchem Typ Mann? Natürlich einem, der ähnlich beschissene Charakterzüge wie mein Vater an den Tag legt. Einer, der mich nicht will, der eigentlich noch an seiner Ex hängt, oder oder oder… So einer musste es sein, auf der erfolglosen Suche nach Anerkennung von Arschlöchern. (Ist mir natürlich auch erst vor kurzem aufgefallen, nicht als ich mitten in der Beziehungs-Hölle steckte). Von denen fühlte ich mich niemals geliebt und rückblickend betrachtet, habe ich die auch nicht geliebt.

Aber dieses Mal ist alles anders und daher konnte ich nicht nachvollziehen, warum ich mich in ein Arschloch verwandelte. Ich wurde irgendwie wie er. Wie mein Vater. Nicht durchgehend, aber  sehr oft. Ich kritisiere dann wie eine bekloppte, suche Fehler und zeige mit dem Finger drauf, weiß und kann alles besser und akzeptiere keine andere Meinung. Kurz um – ich bin in diesen Momenten zum kotzen. Bringt man mich dann noch in Rage, geht man am besten direkt in Deckung. Unnötige Meinungsverschiedenheiten können so mit lautem Geschrei, Tränen und weiteren völlig unbedachten & fiesen Äußerungen von mir enden. Ja, in dem Moment sprüh ich Gift und Galle und kann mich nicht bremsen.  Denke ich aber später in Ruhe darüber nach, ist mir durchaus bewusst, dass das scheiße war und auch völlig unnötig. Problem ist natürlich, dass auch mein Mann kein kleiner Dummer ist. Er ist auch nicht auf den Mund gefallen und meiner Meinung nach, hat auch er Punkte, wenn ich die Treffe geht er an die Decke. Aber ich kann es ihm nicht übel nehmen. Ich reiz ihn manchmal aufs Blut. Dabei bin ich eigentlich total harmoniebedürftig, wünsche mir nichts mehr, als keinen Dauerstreit. Vor allem möchte ich nicht, dass meine Tochter in so einem Umfeld aufwächst. Ich will, dass sie liebevoll aufwächst und vor allem will ich, das sie NIE NIE NIE so ein schlechtes Gefühl haben muss wie ich. Sie soll stolz auf sich sein, ihren Träumen nachjagen, nicht meine annehmen. Ich will sie lassen wie sie ist – sie soll glücklich werden, egal welchen Weg sie dafür wählt.

Wenn ich also schon gegen meinen Mann manchmal grundlos schieße, wird mir das vielleicht auch bei meiner Tochter passieren wenn ich nicht an mir arbeite – ich glaube genau dieser Gedanke war der Auslöser für all das was in den letzten Monaten bei mir passiert ist. Ich hab gespürt, dass in mir so viel Wut, Trauer, Enttäuschung und auch Angst steckt, dass ich das aufarbeiten MUSS. Verdrängen wäre nicht mehr länger möglich gewesen, wenn ich nicht selbst zum Narzissten werden möchte.

Das Wissen durch die duzenden Bücher die ich die letzten Monate zu den Themen wie Hochsensibilität, Narzissmus, Trigger, Kinderseelen und und und verschlungen habe, hat mir für den Anfang sehr geholfen. Ich fange an mich ein Stück besser zu verstehen, ich fange an mutiger zu werden und für mich einzustehen. Der Kontaktabbruch zu meinem Vater war wie ein Befreiungsschlag. Da haben sich Dämme aufgetan. Ich hab geheult wie lange nicht mehr. Im Anschluss sind neue Themen aus der gleichen Zeit aufgetaucht, die mich weiter traurig gemacht haben, worauf ich aber aufbauen konnte. Ich habe gemerkt, dass auch die Beziehung zu meinem Bruder noch nicht geklärt ist, dass auch hier viel Redebedarf vorhanden ist. Haben wir unsere Kindheit doch sehr unterschiedlich wahrgenommen. Aber ich bin guter Dinge, es fühlt sich an als würden plötzlich auch wieder positive Sachen passieren. Ich hab neuen Antrieb. Dinge die ich seit Wochen vor mir hergeschoben hatte, wurden erledigt nach dem der Brief endlich abgeschickt war. Das hatte mich ständig blockiert, dass ich diesen Brief an meinen Vater noch nicht neu geschrieben & abgeschickt hatte. Ich hatte das im Hinterkopf und konnte deswegen einfach auch nichts anderes sinnvolles machen. Anstatt dessen habe ich wochenlang so gut wie nichts produktives hinbekommen, immer nur das Nötigste. Und dann, ist der Brief weg und die Energie kommt zurück. Ein guter Anfang auf alle Fälle.

Nur wie geht es jetzt weiter? Suche ich mir eine Therapeutin, schaffe ich es auch alleine die Wunden aus der Kindheit zu heilen, so dass ich nicht immer und immer wieder mein Leben sabotiere? Theorie alleine reicht mir leider selten, da fehlt die Rückmeldung, die Bestätigung, dass ich auf dem richtigen Weg bin… Aber davon will ich ja auch irgendwie weg… Von der ewigen Suche nach Bestätigung. Mhm… Nunja, warten wir ab. Es wird sich zeigen.

Einen schönen Abend euch allen.

Eure S♥

 

Ein Kommentar zu „TagesGedanken | 19.09.18 | Dinge im Wandel

  1. Liebe S mit Herz ;-),
    mach Dir keine Gedanken Haha GedankenMacherin….Nein wirklich, Du machst Dir Gedanken um die Erziehung, um Deine Tochter und bist dabei zu verstehen, zu reflektieren und das ist gut so – wirklich. Denn wir geben unsere eigenen Verletzungen nur weiter, wenn wir unbewusst bleiben.
    Ich kenne Deine Gedanken…mir ging es ähnlich, ich hatte so Angst, dass ich etwas weitergebe aus meiner Vergangenheit. Mir hat enorm geholfen, dass ich als gelernte Erzieherin und Vielleserin von Psychologiebücher war. Aber Du hast einen Mann – sprich mit ihm darüber, ihr seid ja beide verantwortlich für das Kind. Und es gibt Erziehungsberatungsstellen, wo man auch Hilfe kriegt, wenn es mal brennt. Und natürlich Therapie um all die Verletzungen aus der Kindheit aufzuarbeiten ist notwendig….z.B. diese Automatismen, die einhaken … wo Du Deinem Vater ähnlich wirst in bestimmten Momenten. All das hilft.
    Ich habe mich immer so gefühlt – wie auf der Rennbahn – ich musste schneller als meine Tochter wuchs – lernen eine gute Mutter zu werden und ich war alleinerziehend. Aber ich habe es auch geschafft, ich bin heute sehr stolz auf meine Tochter – sie ist stark, sozial, mitfühlend, intelligent und geht bewusst ihren Weg, lernt mit Begeisterung obwohl sie es nie leicht hatte. Ein Satz hat mir sehr geholfen: Eltern müssen für ihre Kinder ein schützendes Nest bauen und ihnen helfen flügge zu werden um ihr eigenes Leben zu leben.
    Und Kahil Gilbrans Gedicht: Eure Kinder …… http://pro-kinderrechte.de/von-den-kindern/ es war das Gedicht zur Geburtsanzeige meiner Tochter….
    Mach Dir nicht zuviel Gedankenmacherin 😉
    Liebe Grüße
    Melinas

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