Hochsensibel – was es für mich bedeutet

Da das Thema Hochsensibiliät, bzw. das Wissen darüber, der Auslöser war, dass ich einige wichtige Dinge in meinem Leben angegangen bin, mich selbst nun viel besser verstehe und mich einfach befreiter fühle als die vorherigen 32 Jahre, ist es längst überfällig darüber auch zu schreiben.

Ich will auch gar nicht erklären, was Hochsensibilität genau bedeutet, darüber gibt es zur genüge fundierte Artikel, tolle Bücher und Dokumentationen. Es ist mir auch egal ob einige denken, dass es sich bei dem Thema um eine Modeerscheinung handelt. HSP wissen schon nach kurzer Zeit der „guten“ Recherche ob sie sich angesprochen fühlen oder nicht. So war es zumindest bei mir und bei den Menschen aus meinem Freundeskreis, die ebenfalls hochsensibel sind und denen ich das Thema ans Herz gelegt habe. (Wie ich im letzten Jahr herausfinden konnte, sind die Menschen die mir über Jahre schon nahe stehen, zu denen man einfach einen Draht hat, weil. man sich verstanden fühlt… diese besonderen Menschen in meinem Freundeskreis sind alle samt hochsensibel. Und keiner wusste davon. Ich spreche hier nicht von einer großen Gruppe an Menschen. Die echten sind selten, aber da. Bei mir sind das ca. 5 Personen. Und ich bin froh um jeden Einzelnen. Ich hab über die Jahre gelernt, dass das nicht selbstverständlich ist. Aber dazu später mehr bevor ich wieder abschweife.)

Ich persönlich kam zu dem Thema wie die Kuh aufs Eis. Völlig planlos ohne eine Vorstellung was das nun eigentlich bedeutet. Hier hat das Schicksal (ja daran glaube ich tatsächlich) den größten Anteil. Ständig tauchten im World Wide Web Artikel zu dem Thema auf. Sprangen mich an. Ich fühlte ich oft angesprochen keine Ahnung warum. Ich las sogar schon früher ein-, zweimal ein paar Zeilen in den grob erklärt wurde was die Hochsensibilität bedeutet, bin aber nie über die Startseite hinausgekommen, da in den meisten allgemeinen Artikeln zu dem Thema gleich zu Beginn Sätze zu lesen sind wie „HSP sind introvertiert, gehen nicht gerne auf Menschen zu und brauchen hier eine Weile um warm zu werden“. Hier bin ich dann immer ausgestiegen, weil ich bin alles aber nicht introvertiert oder Menschenscheu. So gar nicht. Und doch lies mich das Thema irgendwie nicht los. Ein, zwei Jahre nachdem ich das erste mal davon gehört hatte ohne tatsächlich zu wissen was dahinter steckt, klickte ich mal wieder auf einen Artikel der mir irgendwo auf Social Media begegnete. In diesem Artikel war kurz erwähnt, dass es auch andere „Arten“ von HSP gibt. Diejenigen, die eben nicht in das klassische Bild der introvertierten Persönlichkeit passen und die von Außenstehenden die sie nur oberflächlich kennen, sicher nicht als sensible Personen wahrgenommen werden. (Wobei der Begriff sensibel wie wir ihn verwenden, im Sinne von „nah am Wasser gebaut“ oder ähnliches im Grunde für mich persönlich nicht wirklich was mit dem Thema Hochsensibilität zu tun hat. Wenn, dann sind das nur die Randerscheinungen, die das ganze mit sich bringt, da die Empathie hochsensibel Personen einfach stärker ausgeprägt ist als bei anderen und man dieses „mehr“ an Gefühlen ja auch irgendwie verarbeiten muss.) Aber weiter im Text… nach dem ich nun Blut geleckt hatte, weil mich das Thema ja doch immer irgendwie magisch angezogen hatte und ich von Natur aus ein wissbegieriger Mensch bin, lud ich mir noch am selben Abend ein eBook zum Thema Hochsensibilität herunter. Und auch wenn sich das für den ein oder anderen völlig übertrieben anhören mag, so hat dieses Buch tatsächlich mein Leben verändert. Im ersten Moment innerlich… über die Zeit auch im Außen. Ich bin im letzten Jahr gewachsen. Sehr gewachsen. In meiner Persönlichkeit. Natürlich waren dazu auch Schritte nötig, die mir nicht leicht gefallen sind, von denen ich aber bisher keinen einzigen Bereue, so hart manche auch scheinen. Nach den ersten paar Seiten war ich schon völlig gefesselt. Es kam mir vor als würde mir jemand mein Leben erklären. Mir sagen, dass ich eben nicht daneben bin, sondern in meinem Fühlen und Denken einfach ein bisschen anders. Weder krank noch bescheuert, einfach anders. Sowie es Menschen gibt, die ein unheimliches Talent für Sprachen haben, oder Menschen die sich eine Rechenaufgabe angucken, so kompliziert sie auch sein mag und sofort wissen, was die Lösung ist, so gibt es auch Menschen die z.B. Dinge wie Gefühle anders erleben und greifen. Deren Sinne einfach mehr auf die kleinen, feinen Details auf Zwischenmenschlicherbasis abzielen. Die auch das „hören“ was der Gegenüber vielleicht nicht unbedingt sagt, jedoch mit seiner Gestik, Mimik und allem was er tut einem HSP dann doch sehr deutlich zeigt was wirklich los ist. Etwas dass mich persönlich schon oft auf der Bahn geworfen hat. Zu wissen, dass dich jemand eigentlich nicht mag ist eine Sache. Dies jedoch auch zu fühlen wenn dir jemand falsch ins Gesicht lacht eine andere. Der Umgang damit oft sehr schwer. Besonders wenn man in jungen Jahren seiner Intuition, seinem Bauchgefühl misstraut. Es leugnet weil man vielleicht gesagt bekommt, dass man Entscheidungen mit dem Kopf trifft und alles erst tausendfach zerdenken muss. Das trifft sicher für viele Menschen zu. In meinen Augen aber nicht auf HSP – die sollten lernen ihrem Bauch zu vertrauen. Ich las dieses erste Buch zum Thema in einer Nacht durch. An vielen Stellen musste ich weinen. Vor Erleichterung aber auch weil ich traurig war, dass ich Jahre damit verschwendet hatte mir über Dinge Gedanken zu machen, die ich einfach nicht ändern kann. Dinge die heute betrachtet eigentlich auch toll sein können, wenn man weiß damit umzugehen. Da es sich aber immer eher schlecht angefühlt hat irgendwie anders zu sein, besonders in Momenten in denen einen die eigene Familie nicht verstanden hat, einem nicht geglaubt wurde oder man als übertrieben empfindlich abgestempelt wurde, vertraut man irgendwann nicht mehr auf sich selbst, schließlich fühlen die anderen es doch auch nicht, es kann also nicht sein. Es hätte alles sehr viel leichter sein können, wenn diese Eigenschaften nicht so oft als negativ empfunden worden wären, wenn man zumindest von seinen Bezugspersonen Rückendeckung erhalten hätte. Doch so war man immer auf der Suche nach sich selbst, gefangen in einer Welt in der es vor Ungerechtigkeit nur so wimmelt, deren Schnelllebigkeit und Oberflächlichkeiten für HSP oft schwer zu verstehen sind. Hochsensible Personen die in einem glücklichen Elternhaus aufgewachsen sind in dem alle ähnliche Werte haben und leben und man Empathie als Stärke, nicht als Schwäche sieht, haben mit Sicherheit kaum ein Problem im Umgang damit. Für sie ist es normal. Wuchs man jedoch in einer Familie auf die besonders erfolgsorientiert ist, in der gute Noten wichtiger sind als gute Gespräche, dann kann man als HSP ein Problem bekommen. Es zerreißt einen innerlich wenn man anders handelt als man fühlt. Wenn einem richtig als falsch verkauft wird, dann weiß man am Ende nicht mehr wer man ist, was man tatsächlich aus eigener Überzeugung tut und hinterfragt den Sinn des Ganzen. Oft ist man unglücklich, selbst wenn man die gesteckten Ziele irgendwann erreicht, folgt selten die Zufriedenheit die man erwartet hat. Was häufig daran liegt, dass man gar nicht mehr seine eigenen Ziele lebt, sondern die der anderen. Im Grunde lebt man so dann ein Leben, das überhaupt nicht zu einem passt. Eingequetscht in Strukturen die für andere wohl passen mögen, in denen man sich aber selbst verliert. Lebensfreude fühlt sich anders an. Ich kann euch nicht sagen wievielte Bücher, Artikel und Blogs ich mittlerweile zu dem Thema durch habe. Für mich hat das Wissen über die Hochsensibilität vieles verändert. Angefangen bei Kleinigkeiten wie der Tatsache, dass ich es mir nicht nur einbilde wenn mich ein „Pulli“ kratz obwohl niemand anders sich daran stört, über Dinge die mein Leben tatsächlich verändert haben, ihm eine neue Richtung gegeben haben. Nun auch zu Wissen, dass mich mein Bauchgefühl nicht täuscht und ich mich auf meine Intuition besser verlassen kann als auf viele Menschen hat mich viel Stärker gemacht. Ich muss mich nicht anpassen. Wem ich zu anstrengend bin darf gehen. Wer mich verändern will oder mir einreden möchte, dass ich nicht in Ordnung bin wie ich bin, ebenfalls. Auch den Kontakt zu Menschen die meine Gefühlswelt vergiften, die mir nicht gut tun habe ich beendet. So konsequent dass hierbei auch die eigene Familie nicht ausser acht blieb. Der für mich persönlich wohl größte und bedeutendste Schritt in meiner Persönlichkeitsentwicklung der letzten beiden Jahre. Und es fühlt sich richtig an. Gut und richtig. Ich weiß heute, dass ich nicht jedem gefallen muss. Die Menschen die ich tatsächlich brauche, die Wissen mich und meine Art zu schätzen, sonst wären sie längst weg. Auch, dass ich wieder angefangen habe zu schreiben, einfach nur weil es mir spaß macht, habe ich dem Wissen um die Hochsensibiliät zu verdanken. Ihr merkt, für mich ein mega wichtiges Thema und ich bin so dankbar, dass Elaine Aron dieses Stein ins Rollen gebracht hat. Vielen Dank liebe Elaine, Sie haben mein Leben verändert 🙂

Das war sicher nicht der letzte Artikel zu dem Thema, ich könnte Stunden darüber schreiben, was das alles für mich bedeutet. Aber für heute war es das erstmal und ich bin stolz auch hinter Tag 3 meines #10minperday Projektes ein Haken machen zu können.

Genießt euren Tag und bleibt ihr selbst, das ist mehr als gut genug in meinen Augen.

Eure S

3 Kommentare zu „Hochsensibel – was es für mich bedeutet

  1. Schöner Artikel! Schau gern bald auch nochmal bei mir herein: Ich habe gerade selbst einen Artikel verfasst zu Hochsensibilität und Eltern sein. Kann dir, wenn du magst, den Link schicken, sobald ich ihn in den nächsten Tagen online stelle. Lg, Sunnybee

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