Achtsam mit dem Hund durch den Wald 🌲🐾

Achtsame-Hunde-Runde am 24. Mai 2025

Heute möchte ich gerne meine „Achtsame-Hunde-Runde“ mit euch teilen – vielleicht inspiriert es den ein oder anderen ja, es mir gleichzutun. Tatsächlich war das Ergebnis nämlich angenehm wohltuend und überraschend inspirierend.

Als ich also mit meinem Hund zu unserer Runde durch den Wald aufbreche, nehme ich mir fest vor, dies heute besonders achtsam zu tun. Das hat tatsächlich mehrere Gründe. Zum einen höre ich gerade über Audible das Hörbuch Achtsam morden von Karsten Dusse (ja, ich weiß, nix Neues – hat jeder schon gelesen oder gehört. Macht aber gar nix, für mich kommt es zeitlich genau richtig), weshalb mir, glaube ich, zum ersten Mal die Einfachheit von Achtsamkeit bewusst geworden ist. Gleich eine der ersten Handlungen zu Beginn des Hörbuchs sowie das danach folgende Gespräch mit seinem Achtsamkeits-Coach Peter Jordan war für mich ein echter Gamechanger.

Zudem ist mir in den letzten Monaten aufgefallen, dass unser Hund deutlich besser auf meine Kommandos hört und überhaupt eine besondere Bindung zu mir zu haben scheint. Nicht, dass mir das nicht schon vorher bewusst war – wir haben ihn ja schließlich bereits vor vier Jahren aus dem Tierschutz zu uns geholt und leben daher nun doch schon ein paar Tage lang zusammen und lieben ihn alle sehr. Nichtsdestotrotz ist es ein sehr sensibler und gleichzeitig dickköpfiger Hund mit extrem ausgeprägtem Jagdtrieb, und so waren Spaziergänge, besonders wenn wir als Familie unterwegs waren, meistens sehr, sehr anstrengend, da er dachte, er geht mit uns spazieren. Langsam kriegen wir das aber in den Griff – und besonders wenn nur wir zwei zusammen losziehen, ist es fast schon entspannt, und er hört richtig gut.

Und zu guter Letzt möchte ich im Umgang mit meiner ADHS ganz bewusst Achtsamkeit trainieren, um meinen Geist zu beruhigen und Pausen für meinen Kopf einzubauen. Es klappt erstaunlich gut – ich denke immer öfter daran. Meine Synapsen sind dabei, sich dahingehend umzuprogrammieren, wie mir scheint.

Also schnappte ich mir heute Vormittag meinen treuen Begleiter und sagte in meinem üblichen inneren Dialog zu mir: Wenn ich mit dem Hund laufe, dann laufe ich mit dem Hund. Punkt. Ende. Nichts weiter. Um mögliche Ablenkung im Vorhinein auszuschließen, ließ ich bewusst alles zu Hause. Kein Handy, keins meiner geliebten Nimm2-Bonbons für den Zuckerschub zwischendurch – selbst das Nikotin blieb auf dem Tisch im Garten liegen. Kein schneller Dopamin-Kick – ich verbot es mir. Nur der Hund, die Natur und ich.

Wir laufen los. Der Weg zum Wald ist noch recht schattig, es ist kühler als erwartet. Ich nehme wahr, dass ich zu dünn angezogen bin, ärgere mich ein wenig über mich selbst, hoffe aber, dass es „schon geht“. Umdrehen ist keine Option, auch dann nicht, wenn wir erst vier Minuten von zu Hause weg sind. Als wir an den Häusern und den dazugehörigen Vorgärten vorbeikommen, verlängere ich die Leine – er spürt direkt, dass er nun pinkeln darf, wohin er will. Kein Vorgarten, keine Hauswand mehr in der Nähe, der Eingang zum Wald liegt vor uns, die gepflasterte Straße hinter uns. Nach wenigen Schritten spüre ich, wie der recht kühle Wind mich frösteln lässt. Wieder denke ich mir, dass ich zu dünn angezogen bin. Von schnell laufen, um warm zu werden, bin ich weit entfernt – der Hund will schnüffeln, Gerüche genießen. Soll er auch – fröstelt es mich halt.

Wir überqueren eine kleine Brücke, unter uns ein von der Trockenheit der letzten Wochen sumpfartig wirkendes Gewässer – zugewachsen und von Blättern übersät. Ich nehme wahr. Hinter der Brücke kommt die kleine Gabelung. Der linke Weg führt an der Außenseite des Waldes, entlang der Bahngleise, in den hinteren Teil unseres kleinen Wäldchens. Die aus Südosten kommende Sonne strahlte auf den vor uns liegenden Weg, und mit Aussicht auf sonnengewärmte Haut zog ich automatisch nach links. Der rechte Weg führte tiefer in den kleinen Wald – die Sonne musste sich den Weg durch die hohen und teilweise noch dichten Baumwipfel hart erkämpfen. Der Weg wirkte durch meinen fröstelnden Körper heute besonders wenig attraktiv – daher wollte ich nach links. Ich hatte meine Pläne jedoch ohne meinen Hund gemacht. Seine Wahl fiel auf den rechten Weg. Dem linken, von der Sonne geküssten, schenkte er keinerlei Beachtung. Nun hätte ich natürlich darauf bestehen können, links herum zu laufen. Ich hätte ihn dafür „nur“ etwas fester an der Leine ziehen müssen – er hätte sicher recht schnell nachgegeben. Aber das war es nicht, was ich wollte. Wenn ich mit dem Hund laufe, dann laufe ich mit dem Hund. Das bedeutet für mich im Umkehrschluss dann auch, dass ich seine Bedürfnisse auf unserer gemeinsamen Runde wahrnehme. Schließlich war ich ja in erster Linie für ihn bzw. uns und unsere Beziehung hier draußen. Warum sollte ich ihm also direkt meinen Willen aufzwingen, wenn es ihn woanders hinzog? In dem Ort, an dem ich lebe, hatte es heute Vormittag, als ich loslief, ca. 16 Grad. Ich würde also nicht sterben, wenn ich den schattigeren Weg gehen würde, meinem Hund jedoch einen Wunsch erfüllen. Also ging es rechts herum für uns – ich fröstelnd, er schnüffelnd.

Der Wald wirkt im Vergleich zu vor ein paar Jahren sehr ausgedünnt. Viele kaputte Bäume mussten in den letzten Jahren gefällt werden oder sind durch Stürme von alleine gekippt. Andere wiederum haben den jahrelangen Kampf gegen das Efeu verloren. Nach und nach wächst es bis zur Baumkrone, überwuchert die Blätter und Zweige, stiehlt den Bäumen so das Licht. Das zusätzliche Gewicht und im schlimmsten Fall der Nährstoffstreit im Wurzelbereich – all das führt letztendlich dazu, dass viele der großen Bäume langsam nicht mehr können. Ich schaue mir die verbliebenen großen, alten Bäume an, nehme das Efeu wahr, frage mich, wie lange sie dem wohl noch standhalten können. So schön das Ganze auch aussieht – die Natur und der damit verbundene „Lauf der Dinge“ sind immer auch mit Tragik verbunden.

Ein leichter Wind weht durch die Bäume, ich bekomme Gänsehaut. Ich bin definitiv zu dünn angezogen. Ich erinnere mich selbst daran, achtsam zu sein, und nehme bewusst den Geruch und die Geräusche um mich herum wahr. Da ist der ausdauernde und schöne Gesang der vielen verschiedenen heimischen Vögel, ein entferntes Bellen dringt ebenso zu mir durch wie das wilde Rauschen des Waldes – bei geschlossenen Augen könnte es auch das Meer sein. Insekten schwirren umher, ihr Summen manchmal ganz nah. Hier und da küsst eins davon mein Gesicht. Schnaken versuchen, an uns zu knabbern, bleiben zumindest bei mir erfolglos.

Mir fällt auf, wie viel besser das Verhalten meines Hundes ist, wenn mein Fokus ganz auf ihm und unserer Umgebung liegt. Das Ziehen fast nicht spürbar, er nimmt mich wahr, achtet auf mich – selbst dann, wenn er aufgrund der Naturgeräusche immer wieder den Fokus verliert. Die Verbesserung fällt mir auf. Der Spaziergang ist angenehm, die Umgebung wunderschön. Der Hund bestimmt den Weg. Schattiger kann es eh nicht mehr werden. Ich fröstle noch immer.

Während wir da so laufen, die Ruhe genießen und im Hier und Jetzt sind, passiert es dann aber doch, dass meine Gedanken ihre üblichen Tänze vollziehen. Im einen Moment habe ich noch achtsam dem Vogelgezwitscher gelauscht – im nächsten dann plötzlich einen gedanklichen Tagesplan für mein ADHS skizziert, meinen Stundenplan, den ich mir schon seit Jahren entwerfen möchte. Gedanklich arbeitete ich also nun an dem, körperlich war ich noch im Wald, physisch jedoch ganz woanders. Das muss auch mein Hund gespürt haben, denn plötzlich war das Ziehen wieder da – seine Aufmerksamkeit ebenfalls verpufft. Und ich hatte den ersten Aha-Moment des Spaziergangs. Habe ich den Fokus komplett auf ihm, dann läuft’s. Verliere ich den Fokus, verliert er ihn auch. Eigentlich eine ganz simple Sache. Wusste ich alles in der Theorie. Das jetzt aber auch mal gezielt umgesetzt und wahrgenommen zu haben, den direkten Unterschied bewusst gesehen zu haben – das hat mich noch mal ganz anders abgeholt. Ich dachte ja auch immer, dass ich das mache, achtsam bin. Dass ich den Fokus sowieso auf ihm habe. Aber ganz ehrlich: Das war ich scheinbar ganz oft nicht, sonst wäre mir das schon deutlich früher bewusst geworden.

Diese Erkenntnis traf mich also auf meinem Spaziergang, und während wir gemütlich weiterliefen, freute ich mich sehr darüber und übte mich in meiner neu entdeckten achtsamen Fokussierung auf meinen Hund. Und als ob das Universum mich belohnen wollte, zog mein Hund mich auf die andere Seite des Weges, um eine sehr interessante Stelle zu beschnuppern. Ich blieb also stehen und ließ ihn gewähren, als ich plötzlich spürte, wie mich eine wunderschöne Wärme einhüllte. Zum ersten Mal seit wir losgelaufen waren, hörte das unangenehme Frösteln auf, und Wärme floss in und durch meinen Körper. Ich weiß nicht, ob ich schon mal so bewusst die Sonne im Wald wahrgenommen hatte wie in diesem Moment. Es war wunderschön. Ich reckte mein Gesicht nach oben, schloss entspannt die Augen und genoss die Sonnenstrahlen in meinem Gesicht. Wäre mein Hund einen Meter weiter links oder rechts stehen geblieben, ich hätte nichts davon abbekommen. Aber so führte er mich gefühlt zum Aufwärmen in die Sonne, und ich genoss diesen Moment auf eine ganz besondere Art und Weise. Es fühlte sich fast ein bisschen magisch an. Nach einigen tiefen, langsamen Atemzügen, die ich bewusst in den Bauch atmete, bedankte ich mich. Das „Danke“ richtete sich unter anderem an meine Mama. Seit ihrem Tod stelle ich mir vor, dass sie da oben sitzt und mir Gutes tut. Daher das Danke. An sie, das Universum, meinen Hund – und für diesen besonderen und warmen Moment. Es fühlte sich einfach richtig an, in diesem Moment dankbar zu sein und es laut auszusprechen. Danach war das Frösteln vorbei und kam den restlichen Spaziergang nicht wieder. Ich war ausreichend von innen gewärmt.

Beschwingt liefen wir weiter, vorbei an gefällten Bäumen, die aufeinander gestapelt ein großes Stück des Weges säumten. Sie taten mir leid, und ich fragte mich, welche Geschichten sie wohl erzählen würden und was sie wohl alles gesehen haben. Ich strich mit der Hand behutsam über die Baumstämme, spürte ihre Rinde, nahm die Stellen wahr, an denen keine Rinde mehr vorhanden war, und empfand Mitleid mit der Natur, die sich hier so schutzlos zeigte und anfühlte – und mit der wir oft so sorglos umgingen, als hätten wir noch eine. In dem Moment fühlte ich mich selbst mit den Bäumen verbunden. Auch das nahm ich wahr und dankend an.

Am Ende waren wir etwas mehr als eine Stunde im Wald unterwegs. Komplett für uns. Keine Menschenseele lief uns auf unserem Spaziergang über den Weg – dafür trafen wir jedoch auf faszinierende Erkenntnisse und wertvolle Erfahrungen. Die hatte ich im Wald heute nun so gar nicht erwartet. Umso größer meine Freude und Überraschung.

Und am Ende? Hat es mich so sehr inspiriert, dass ich direkt Lust hatte, darüber zu schreiben und mein Erlebtes zu teilen. Wie weggeblasen war die innerliche Frage: „Über was möchte ich schreiben, worauf habe ich Lust?“ Ganz klar war da eine Vorstellung UND die Lust. Das Ergebnis lest ihr gerade, und ich hoffe, ihr konntet etwas von den guten Vibes spüren, die ich heute im Wald gespürt habe – und mit diesem Text an alle, die es gerade brauchen, weitergeben möchte.

Von Herzen,
Fay


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