Hier geht es zu Christianes Schreibeinladung für die September Etüden und die Wortspende kommt dieses Mal von Doro. Es handelt sich um die Wörter: Hausfrau, schillern & wichtig. Die Etüden-Regeln sind wie gehabt: 3 Begriffe in maximal 300 Wörter verpacken, Thema egal.
Das Patriarchat lässt grüßen
Selina schnaubte verächtlich. Sie fixierte ihr gegenüber mit ihren vor Wut funkelnden, smaragdgrünen Augen und zischte ihm ein leises, aber unmissverständliches „Was bin ich denn für dich?“ entgegen.
Seit sieben Jahren waren sie und Eric nun ein Paar. Seit dreien nun ebenfalls noch Eltern eines wundervollen Sohnes. Geheiratet hatten sie nie. Zu wenig Geld für die schillernde Feier, die Ihnen eigentlich vorschwebte, zu wenig Zeit, sich mit Kleinkind um die Organisation eines solchen Festes zu kümmern, doch der Hauptgrund war in Wahrheit der, dass Eric sie bis heute nicht gefragt hatte, ob sie denn seine Frau werden wolle. Das Thema wurde irgendwann einfach totgeschwiegen, nachdem alle ihre Freunde, einer nach dem anderen, geheiratet hatten und neue Einladungen ausblieben.
„Sag schon!“ – ihre Stimme war nun deutlich lauter, und sie machte einen Schritt auf ihn zu, was Eric unweigerlich zurückweichen ließ.
„WAS BIN ICH FÜR DICH? Sag es mir! Die, die immer dafür sorgt, dass Essen im Kühlschrank ist und auf dem Tisch steht? Oder doch eher die, die dafür sorgt, dass die GEMEINSAME Bude immer schön ordentlich und geputzt ist? Die perfekte Hausfrau, wie du sie dir gewünscht hast, mhm? Die sich um dich sorgt, dich hegt und pflegt und somit im Grunde einer Ersatzmutter eher gleicht, als einer Partnerin? – Ist es das, was ich für dich bin?“ Selinas Stimme zitterte, sie kämpfte mit den Tränen, war aber dieses Mal nicht wieder bereit, klein beizugeben.
„Wenn das alles ist, was dir in einer Beziehung wichtig ist, wärst du mit einer Haushälterin deutlich besser bedient gewesen.“ Selina seufzte. Sie sah Eric direkt in die Augen, suchte nach Verständnis.
Fand keins.
Dann ging sie.

Jetzt überlege ich schon mehr als eine halbe Stunde, ob ich „Wie konnte er nur“ sagen und ihr Glück wünschen sollte, und es bleibt mir Hals stecken. Ent-täuschung, um das wieder mal zu zitieren, ist das Ende einer Täuschung. Aber was bleibt jetzt noch? Ist das Tischtuch endgültig zerschnitten? Bekommt der Kerl eine Chance, noch mal nachzudenken, dass irgendwas völlig schiefläuft? Warum hat er das nicht gemerkt, warum hat sie das nicht kommuniziert? Wird er überhaupt gefragt, ob er sich das alles vielleicht auch ganz anders vorgestellt hat? Leben die beiden die Muster ihrer Eltern nach? Hätte eine Ehe was geändert?
Lauter spannende Fragen, die du aufwirfst.
Danke, dass du mitgeschrieben hast, ich habe deine Etüde sehr gern gelesen und eine Fortsetzung würde mich interessieren – du musst es ja nicht bei einer Etüde pro Monat belassen. 😉
Abendgrüße! 😀
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Na das freut mich doch sehr zu lesen, vielen Dank Christiane.
Das motiviert mich schon ein wenig, über eine Fortsetzung nachzudenken ;-), ich habe ja noch ein bisschen Zeit. 😀
Herzliche Grüße
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