Angst. Wenn Kontrolle wichtiger scheint als Vertrauen

Wie Angst entsteht, was sie uns sagen will und wie du ihr mit Verständnis begegnen kannst.

1. Angst. Ein Gefühl mit zwei Gesichtern

Angst ist eines der ältesten und mächtigsten Gefühle. Sie kann schützen oder lähmen, antreiben oder gefangen halten. Viele kennen die Nervosität vor Gesprächen, die Sorge, etwas falsch zu machen, oder die Unsicherheit vor dem Unbekannten. Für manche bleibt Angst ein kurzes Flackern, für andere wird sie zum ständigen Begleiter.

Psychologisch ist Angst eine natürliche Schutzreaktion, die auf Gefahr vorbereitet. Früher waren Bedrohungen sichtbar; heute heißen sie E-Mail vom Chef, Schweigen eines geliebten Menschen oder der Gedanke, nicht zu genügen. Angst greift nach Kontrolle und Sicherheit – ihre Form verändert sich, ihre Wirkung bleibt.

2. Was Angst wirklich ist

Angst ist eine emotionale Reaktion auf wahrgenommene Bedrohung, real oder imaginiert. Sie entsteht im limbischen System, insbesondere in der Amygdala, die wie ein innerer Alarm agiert. Wird Gefahr registriert, schaltet das Nervensystem auf „Alarm“: Puls steigt, Muskeln spannen, Fokus verengt sich.

Diese Reaktion ist sinnvoll, wird jedoch belastend, wenn sie zu häufig oder in unpassenden Situationen ausgelöst wird. Man unterscheidet grob Realangst, neurotische Angst und phobische Angst. Angst ist damit nicht der Feind, sondern Information: Sie signalisiert ein Bedürfnis nach Sicherheit, Vertrauen, Halt oder Klarheit.

Coaching-Impuls, wenn du Angst spürst:
Was will sie dich schützen lassen? Was passiert, wenn du ihr zuhörst statt sie zu bekämpfen?

3. Die körperliche Sprache der Angst

Angst zeigt sich häufig körperlich bevor sie bewusst wird: Herzklopfen, Enge, flache Atmung, Unruhe, Schlafprobleme. Bei chronischer Angst bleibt das Nervensystem im Hyperarousal (Dauer-Alarm). Folgen sind Reizbarkeit, innere Unruhe und Erschöpfung – oft ohne klaren äußeren Anlass.

Reflexion: Wie zeigt sich Angst in deinem Körper – und was, wenn du sie als Signal statt als Schwäche lesen würdest?

4. Die Angst, Angst zu haben

Viele entwickeln eine meta‑Angst: Angst vor der Angst. Nach intensiven Angsterfahrungen reicht ein kleiner Auslöser, und das System schlägt Alarm. Das ist keine Schwäche, sondern Konditionierung. Sicherheit entsteht nicht durch Vermeidung, sondern durch Vertrauen in die eigene Fähigkeit, Angst zu überstehen.

Im Coaching wird Angst in kleinen, sicheren Schritten angeschaut, damit das Nervensystem lernt: „Ich bin sicher, auch mit Angst.“

Übung: Atme langsam aus und sage innerlich: „Ich bin hier. Ich bin sicher. Ich halte das aus.“

5. Angst im Coaching. Vom Symptom zum Signal

Angst tarnt sich oft als Perfektionismus, Kontrolle, Rückzug oder Wut. Manche sind ständig beschäftigt. Nicht aus Produktivität, sondern aus Angst vor Leere. Andere klammern aus Angst vor Verlust; wieder andere vermeiden Verantwortung aus Angst vor Fehlern.

Angst ist damit weniger ein isoliertes Problem als eine Schutzstrategie. Im Coaching wird sie übersetzt: Was will sie schützen? Wovor? Vor welcher alten Erfahrung?

Coaching-Impuls: Wovor willst du dich gerade schützen – und was wäre möglich, wenn du dir mehr zutraust?

6. Gesunde und ungesunde Angst, wann Schutz begrenzt

Gesunde Angst warnt vor realer Gefahr, lässt nach und fördert Konzentration. Ungesunde Angst hält an, auch ohne Risiko, schränkt Denken/Handeln ein und führt zu Rückzug oder Stillstand. Der Übergang ist schleichend: Aus Achtsamkeit wird Vermeidung; aus Vorsicht wird Starre.

Coaching-Impuls: Was würdest du heute tun, wenn Angst keinen Einfluss hätte?

7. Typische Ängste unserer Zeit

Heutige Ängste sind häufig innerer Natur: Nicht‑genügen, Ablehnung, Fehler, Kontrollverlust, Zukunft. Sie entstehen aus Vergleich, Leistungsdruck und hohen Erwartungen. Perfektionismus ist oft verkleidete Angst, besonders bei Frauen zwischen Rollen und Ansprüchen.

8. Wege aus der Angst

Schritt für Schritt-Anleitung

  1. Bewusst atmen
    Langes Ausatmen beruhigt: 4 Sekunden ein, 6 Sekunden aus – 2–3 Minuten wiederholen.
  2. Gedanken beobachten
    „Was, wenn…“ sind Geschichten, keine Fakten. Aufschreiben und prüfen: Tatsache oder Befürchtung?
  3. Selbstmitgefühl üben
    Sprich innerlich freundlich mit dir statt dich zu beschämen. Heilung beginnt mit Verständnis.
  4. Körperarbeit & Bewegung
    Angstenergie im Körper lösen: Yoga, Spaziergänge, Dehnen, Tanzen, Atemarbeit.
  5. Verbindung suchen
    Heilende Resonanz entsteht in echten Gesprächen, sicheren Beziehungen, Coaching/Therapie.

9. Angst und Kontrolle. Ein Muster

Je mehr Kontrolle gesucht wird, desto stärker die Angst vor deren Verlust, der Handlungsspielraum wird kleiner. Dieses Muster ist oft ein Versuch, nach Überforderung vergangener Erfahrungen Sicherheit wiederherzustellen. Dauerhafte Sicherheit entsteht jedoch durch Vertrauen in die eigene Selbstwirksamkeit.

Reflexion: Wann hast du versucht, Angst durch Kontrolle zu besiegen – und was hat wirklich geholfen?

10. Angst und ADHS. Das überreizte Nervensystem

Bei ADHS reagieren Nervensysteme schneller und intensiver. Reize und Erwartungen kumulieren, Überstimulation entsteht. Angst entsteht dann weniger aus realer Gefahr, sondern aus Überfüllung des Systems. Häufig kommen Leistungsdruck, Impulsivitätsscham und das Bedürfnis zu „maskieren“ hinzu.

Im Coaching steht Regulation im Fokus: Pausen, Reizreduktion, Erdung, Atemarbeit, Bewegung, realistische Erwartungen. Ziel ist nicht „keine Angst“, sondern wieder Sicherheit im Körper zu empfinden.

Coaching-Impuls: Was braucht dein Nervensystem – nicht dein Kopf – um zur Ruhe zu kommen?

11. Die spirituelle Dimension von Angst

Angst kann als Lehrerin verstanden werden: Sie zeigt, wo Vertrauen fehlt. Wer Angst als Energie begreift, kann sie mit Bewusstsein, Mitgefühl und Körperarbeit in Bewegung bringen. So wird aus Kampf eine Beziehung und aus Kontrolle allmählich Vertrauen.

Gedanke: Vielleicht will Angst dich nicht lähmen – sondern dich lehren, zu vertrauen.

12. Fazit: Angst verstehen, bevor du sie bekämpfst

Angst ist Teil des Menschseins. Sie ist eine Sprache, die verstanden werden will. Wer lernt, ihr zuzuhören, wird handlungsfähig: Angst zeigt, wo Halt fehlt und wo Wachstum möglich ist. Echte Stärke bedeutet nicht, keine Angst zu haben, sondern ihr zu begegnen und trotzdem zu gehen.

Dein nächster Schritt – Vom Kampf zur Klarheit 💬

Wenn du spürst, dass Angst dich bremst oder erschöpft, darfst du beginnen, sie zu verstehen. In meinen Coachings begleite ich Frauen dabei, Angst als Wegweiser zu nutzen, hin zu mehr Selbstvertrauen, innerer Ruhe und Selbstwirksamkeit.

Buche dir ein unverbindliches Kennenlerngespräch und entdecke, wie du wieder Vertrauen in dich und dein Leben findest.

➡️ Jetzt Termin vereinbaren

Photo by Elu012bna Aru0101ja on Pexels.com

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..