Ich habe dieses Bild gemalt, ohne eine genaue Idee zu haben. Doch irgendwann war klar, was ich da auf die Leinwand gebracht habe: Wut. Nicht die laute, zerstörerische Art, sondern diese stille, gestapelte Wut, die sich aufstaut, wenn man zu lange funktioniert. Wut, die sich tarnt, sich anpasst, ein Lächeln trägt. Wie Konfetti über Lava. Genau deshalb trägt dieses Bild den Namen Verzuckerte Wut.

Es steht für die Momente, in denen wir sagen Es ist schon okay, obwohl nichts daran okay ist. Für dieses leise Ja, obwohl in uns alles Nein schreit. Für das innere Brennen, das niemand sehen soll, weil wir gelernt haben, lieb, ruhig, vernünftig und angepasst zu sein. Besonders als Frau. Also decken wir es zu. Mit Nettigkeit. Mit Höflichkeit. Mit Glitzer.
Warum das Malen plötzlich heilt
Während ich gemalt habe, wurde es still in meinem Kopf. Kein Denken, kein Erklären, kein Innerer Kritiker. Nur Farbe, Druck, Bewegung. Malen braucht keine Logik und keine Worte. Es lässt zu, dass etwas aus dem Körper heraus darf.
Genau das nutzt auch die Kunsttherapie. Gefühle bekommen Raum, ohne dass man sie zuerst verstehen oder begründen muss.
Wenn Wut in Linien und Farben sichtbar wird, ist sie nicht mehr nur ein Knoten im Bauch oder ein Druck im Hals. Sie liegt vor uns. Sie bekommt Form. Und das ist oft der erste heilsame Schritt. Raus aus dem Kopf, rein in Ausdruck. Nicht mehr gegen sich richten, sondern nach außen geben.
Was hinter verzuckerter Wut wirklich steckt
Viele Frauen haben nie gelernt, dass Wut etwas Wertvolles sein kann. Stattdessen wurde uns beigebracht, dass Wut gefährlich, anstrengend oder peinlich ist. Also richten wir sie nach innen. In Selbstzweifel, Perfektionismus, Schuldgefühle, Erschöpfung. Doch Wut ist kein Fehler. Sie ist ein Hinweis. Sie zeigt, wo Grenzen verletzt wurden. Wo etwas nicht mehr stimmt. Wo wir uns selbst verlieren.
Vom Verstecken zum Verwandeln
Vielleicht ist genau das der Moment, an dem Veränderung beginnt. Nicht wenn alles explodiert, sondern wenn wir hinsehen. Wenn wir aufhören, unsere Wut schön zu verpacken. Wenn wir sie ernst nehmen, ohne sie an anderen auszulassen. Wenn wir beginnen, sie zu verwandeln. In Klarheit, in Grenzen, in Kraft.
Wut muss niemanden verletzen. Sie kann schützen. Sie kann sagen Bis hierher und nicht weiter. Sie kann der erste Schritt zurück zu dir selbst sein.
| Veränderung beginnt, wenn du dich selbst wieder siehst |