Rauhnächte

Zwischen den Jahren.
Zwischen dem, was war, und dem, was werden will.

Auf die Sperrnächte folgen die Rauhnächte.
Ein Übergang, kein Bruch.
Während die Tage zuvor dem Abschließen gehörten, öffnet sich jetzt ein anderer Raum: ein Blick nach vorne, nach innen, nach dem, was im kommenden Jahr wachsen möchte.

Die Rauhnächte liegen zeitlich zwischen dem alten und dem neuen Jahr. Schon früher empfanden Menschen diese Tage als „anders“. Nicht eindeutig zuordenbar, nicht ganz im Alten, noch nicht im Neuen. Genau darin liegt ihre besondere Qualität.

Woher die Rauhnächte kommen

Früher orientierten sich Menschen am Mond. Ein Mondmonat dauerte etwa 28 Tage. Zwölf Mondmonate ergaben ein Mondjahr mit rund 354 Tagen. Im Vergleich zum Sonnenjahr mit 365 Tagen blieben also elf Tage und zwölf Nächte übrig.

Diese Zeit galt als eine Phase außerhalb der normalen Ordnung. Nicht, weil sie mystisch sein musste, sondern weil sie sich anders anfühlte. Der Alltag ruhte. Die Arbeit wurde weniger. Das Außen wurde leiser.

Man sagte, diese Tage seien durchlässiger.
Für Erinnerungen. Für Träume. Für Gedanken, die sonst keinen Platz haben.
Manche erzählten von Zeichen, andere von inneren Bildern. Wieder andere nutzten diese Zeit schlicht, um still zu werden und nach innen zu lauschen.

Heute können die Rauhnächte genau das sein:
Eine Einladung, bei sich anzukommen.
Ohne Erwartung. Ohne Druck. Ohne festes „So muss es sein“.

Die Rauhnächte heute

Du musst nichts räuchern. Du musst nichts glauben. Du musst nichts „richtig“ machen.

Die Rauhnächte sind kein Ritual-Marathon. Sie sind ein Angebot.
Ein Zeitraum, in dem du dir erlauben darfst, langsamer zu werden. Ehrlicher hinzuspüren. Deine Wünsche, Gedanken und Sehnsüchte ernster zu nehmen.

Nicht als To-do-Liste fürs neue Jahr.
Sondern als leise Ausrichtung.

Mein persönliches Rauhnachtsritual

Ich verbinde die Rauhnächte bewusst mit meinen Wünschen. Nicht, indem ich sie verbrenne (das finde ich energetisch tatsächlich nicht so doll, ich will keinen meiner Wünsche verbrennen, das mache ich mit den Dingen, die ich loslassen möchte), sondern indem ich ihnen Raum lasse.

Für das 13-Wünsche-Ritual sammle ich vorab gefallene Blätter aus der Natur. Jedes Blatt steht für einen Wunsch, ein Ziel, eine innere Ausrichtung für das kommende Jahr. Ich schreibe diese Wünsche bewusst klar auf. Nicht flüchtig, sondern so, dass ich spüre, was dahinterliegt.

Die gleichen Wünsche halte ich zusätzlich in meinem Journal fest. Dort entsteht Raum für Gedanken, Bilder, Gefühle, die an diesem Abend auftauchen. Oft kommen dabei Dinge hoch, die sich nicht planen lassen. Und genau das ist Teil des Prozesses.

Während der Rauhnächte ziehe ich an jedem Abend ein Blatt aus meinem Korb.
Bevor ich es auswähle, stelle ich mir eine Frage:
Was möchte dieser Monat mich lehren?
Worauf darf ich achten?

Das gezogene Blatt übergebe ich anschließend der Natur. Ohne großes Ritual. Ohne Inszenierung. Manchmal lege ich es draußen ab, manchmal lasse ich es aus dem Fenster wehen. Der Wunsch bleibt, aber er wird nicht festgehalten.

Ein Blatt bleibt am Ende übrig.
Nicht als Pflicht, sondern als Jahresaufgabe. Als Thema, das mich begleiten darf.

Die 13 Rauhnächte und ihre Zuordnung

Jede Rauhnacht steht symbolisch für einen Monat des kommenden Jahres. Die Zuordnungen können variieren. Es gibt hier kein richtig oder falsch. Wichtig ist nicht das System, sondern deine innere Resonanz.

Rauhnacht 1 – 25. Dezember – Januar
Leitfrage: Was möchte im neuen Jahr grundsätzlich wachsen?

Rauhnacht 2 – 26. Dezember – Februar
Leitfrage: Was braucht mehr Stabilität oder Fürsorge?

Rauhnacht 3 – 27. Dezember – März
Leitfrage: Wo darf Bewegung oder Mut entstehen?

Rauhnacht 4 – 28. Dezember – April
Leitfrage: Was möchte sich zeigen oder ausdrücken?

Rauhnacht 5 – 29. Dezember – Mai
Leitfrage: Was darf leichter werden?

Rauhnacht 6 – 30. Dezember – Juni
Leitfrage: Wo wünsche ich mir Verbindung oder Austausch?

Rauhnacht 7 – 31. Dezember – Juli
Leitfrage: Was nährt meine Lebensfreude?

Rauhnacht 8 – 1. Januar – August
Leitfrage: Wo darf ich mir selbst mehr Raum geben?

Rauhnacht 9 – 2. Januar – September
Leitfrage: Was möchte geordnet oder neu ausgerichtet werden?

Rauhnacht 10 – 3. Januar – Oktober
Leitfrage: Wo darf Tiefe entstehen?

Rauhnacht 11 – 4. Januar – November
Leitfrage: Was möchte ich bewusst abschließen oder klären?

Rauhnacht 12 – 5. Januar – Dezember
Leitfrage: Was darf in Dankbarkeit ruhen?

Rauhnacht 13 – 6. Januar – Gesamtschau
Leitfrage: Was ist mein übergeordnetes Thema für das Jahr?

Du kannst diese Fragen nutzen. Du kannst sie verändern. Oder du lässt sie ganz weg. Die Rauhnächte sind kein starres Konstrukt. Sie leben davon, dass du sie dir passend machst.

Zum Abschluss

Die Rauhnächte müssen nicht nachts begangen werden. Es reicht der Abend. Manchmal sogar nur ein Gedanke am Tag. Setz es für dich so, wie es in dein Leben passt.

Hab Freude daran, dich auszurichten.
Und wenn Fragen auftauchen oder du tiefer einsteigen möchtest, melde dich gerne.

| Veränderung beginnt, wenn du dich selbst wieder siehst |

Photo by Andrew Nevins on Pexels.com

2 Gedanken zu “Rauhnächte

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..