Und dann ist man plötzlich Mutter 》Gedankenmacherei am 01.02.19

und alles verändert sich. Angefangen bei deinem Körper, der einfach nur ein Wunder nach dem anderen verbringt und den du mit Sicherheit mit anderen Augen siehst als je zuvor. Wenn man mal wirklich darüber nachdenkt (und das tut man wohl tatsächlich erst in vollem Umfang wenn man schwanger ist…) ist es verdammt unglaublich und irgendwie doch nicht greifbar wie da alles von ganz alleine passiert. Wie sich da aus winzigen Zellen ein kleiner Mensch entwickelt und in einem wächst. Abgefahren und manchmal völlig surreal. Und ist das Minimenschlein dann geboren, wissen Mamas Brüste plötzlich ganz genau wann sie wieviel Milch zu produzieren haben. Die Nachfrage bestimmt das Angebot. Und ist irgendwann Schluss mit stillen, dann geht alles wieder weg, keine Milch mehr da. Langsam aber sicher bekommt man wieder ein Gefühl für den eigenen Körper nachdem man 10 Monate quasi die Kontrolle abgegeben hatte und nur darauf vertrauen konnte, dass das alles schon irgendwie klappt.

Ist die Schwangerschaft geschafft, dann findet man sich plötzlich im Krankenhaus wieder. Mit dem eigenen Kind. Keine Ahnung was fortan auf einen zukommen wird. Keine Bedienungsanleitung, nur das wissen Dutzender Bücher zum Thema Kinder kriegen. Toll in der Theorie, beängstigend in der Praxis. Wenn im engeren Freundeskreis kaum bis gar keine Paare mit Kindern vorhanden sind und auch die Geschwister keine Kinder haben, dann kann es sein, dass das erste so winzige Baby das man im Arm hält, das Eigene ist. Man traut kaum hinzufassen aus Angst dem Minimenschlein womöglich noch weh zu tun. Wickeln – klar aber wie? Und woher weiß man wann da dann was drin ist? Fragen über Fragen, alles neu. Darf man dann endlich nach Hause, mischt sich zu der puren Freude auch leichte Panik – zumindest war das so bei mir. Keine Hebammen mehr da, die einem sagen können was man zu machen hat. Keiner der einem sagt wie es richtig geht. Aber wie meistens im Leben, kommt man am Ende doch irgendwie klar, passt sich den neuen Gegebenheiten an. Was in dem Fall „klarkommen“ bedeutet, ist natürlich Ansichtssache, man muss seinen eigenen Weg finden. Nun hatten wir das große Glück ein echt pflegeleichtes Anfängerbaby zu bekommen. Unsere Räubertochter hat von Beginn an gut getrunken, das stillen hat schnell gut geklappt auch wenn ich sagen muss, dass ich trotz allem nie in der Öffentlichkeit gestillt habe. Selbst wenn es das natürlichste auf der Welt ist, konnte ich meine Hemmungen, irgendwo meine Brüste auszupacken, nicht überwinden – oder ich wollte es einfach auch nicht, womit ich mich natürlich selbst auch sehr eingeschränkt habe.

Allgemein frage ich mich rückblickend betrachtet, warum ich in der Anfangszeit so gestresst war. Meine Tochter hat zwischen den Stillmahlzeiten herrlich geschlummert, hat eigentlich nie geweint, war völlig zufrieden. Die Fütter-Abstände wurden auch schnell länger, so dass ich um wirklich auszehrende Nächte wirklich so gut wie herumgekommen bin. Besonders wenn man schaut wievielten Paaren es zu Beginn anders geht. Da hat das Baby beispielsweise Koliken und schreit die halbe Nacht. Die Eltern müssen mitten in der Nacht stundenlang darum kämpfen, dass das Baby einschläft und kommen selbst kaum zur Ruhe. Ich war auch an manchen Tagen müde und kaputt, hab mich in den Momenten aber oft gefragt, wie das Paare mit Kindern machen, bei denen das eben nicht der Fall ist. Schlafentzug ist wahre Folter. Und aus dem Grund schicke ich jetzr auf diesem Weg auch mal ein riesengroßes „das macht ihr super“ an (alle) Eltern. Denn so ist es. Und niemand kann das nachvollziehen solange er selbst nicht mindestens ein Kind bekommen hat. Ja tatsächlich… Ihr Ahnungslosen „wenn ich mal Kinder habe, dann…“ ja dann dürft ihr denen eure Meinung verklickern und mal gucken was passiert. Ich wünsche viel Spaß dabei aber bitte verschont mich mit euren ungebetenen Ratschlägen. Womit ich eigentlich auch beim eigentlichen Thema wäre. Das Leben als Mutter ist ein völlig anderes wie zuvor. Und damit meine ich nun nicht unbedingt die Tatsache, dass man jetzt ein Kind hat. Nein, plötzlich gerät man in den Fokus aller Menschen mit und ohne Kinder. Bekommt ungefragt Meinungen zugetragen, Tipps die keiner braucht und befindet sich plötzlich inmitten einem Kreis geballten Halbwissens. Beim Thema „Kinder kriegen“ können alle mitreden und doch sagt einem keiner dieser Übermütter tatsächlich die Wahrheit. Wenn ich ab und an über meinen Alltag mit meiner Tochter rede und dann durchaus erwähne, wie anstrengend manche Tage auch sein können, das ich nach meinem Vollzeitjob im Marketing oftmals nicht so ausgelaugt war, wie nach einem anstrengenden Tag mit meiner Tochter, dann höre ich immer wieder „du bist so ehrlich, die wenigsten Mütter sagen sowas“ und ich frage mich tatsächlich warum das so ist. Was hat man denn zu verlieren? Ich lieb mekn Kind deswegen doch nicht weniger. Oder geht es nur darum vor anderen aufzutrumpfen weil man das Gefühl hat sich beweisen zu müssen? Vielleicht weil unsere Gesellschaft das erwartet? Vielleicht auch weil man von allen Seiten zugetragen bekommt, was für ein riesen Glück man doch hat? Wahrscheinlich eine Mischung aus allem. Ich muss sagen, dass ich bisher sehr von diesem „Mutti-Tratsch“ verschont geblieben bin, ich mich aber auch durchaus nicht scheue auf bescheuerte Aussagen/Fragen, ebenso zu antworte. Sorry liebe Übermuttis, ihr mögt ja das wandelnde Babylexion sein, im verbalen Schlagabtausch zieht ihr aber womöglich den Kürzeren, daher bitte im Anschluss nicht beleidigt sein. Warum fühlen sich bei dem Thema „Elternschaft“ alle immer so allwissend? Was bei Kind A funktioniert kann für Kind B völlig daneben sein. Wir sind nicht alle gleich, haben auch nicht alle die gleichen Möglichkeiten. Und das ist auch gut so. Lasst die Frauen in Ruhe die sich in ihrer Anfangszeit mit Baby sowieso oft überfordert fühlen. Überfordert von dem neuen Lebenswandel, den neuen Aufgaben, der Angst zu versagen. In Normalfall will jede Mutter das Beste für ihr Baby und wenn ihr nicht seht, dass ein Kind angegriffen wird oder sonst wie schlecht behandelt, dann überlegt euch doch bitte zweimal ob eure als gut gemeinter Ratschlagt verpackte Kritik/Stichelei auch wirklich angebracht ist und wem damit geholfen ist. Oder feiert ihr euch nach solch einem Triumph erstmal mit einem dicken Schulterklopfer? Wenn ja solltet ihr euch ernsthaft fragen, welche Werte ihr eurem Kind wirklich mitgeben möchtet. Auf Kosten anderer immer in einem besseren Licht stehen zu wollen kann auf Dauer recht einsam machen. Ich habe für mich beschlossen da nicht mitzumachen und bin glücklicherweise in der Position, dass ich mittlerweile einen kleinen, sehr erlesenen Kreis anderer ebenso denkender Mamas um mich habe. Seit dem ist alles wieder etwas entspannter, weil es einfach gut tut echt zu sein ohne verurteilt zu werden. Hier kann ich auch mal sagen, dass mich heute alles angekotzt hat und ich am liebsten weggerannt wäre. Und dann sagt mir zum Beispiel eine meiner Mädels, dass es ihr gestern genauso ging, sie von ihrem Kind mehrfach vollgespukt wurde und am Ende des Tages auch noch ne Ladung Sprühschiss vom kleinen Wunder abbekommen hat. Und dann? Haben wir herzhaft gelacht und alles war gar nicht mehr so schlimm. Weil man mit seinen Problemen nicht allein ist, weil es allen so geht.

Bitte liebe Leute versteht mich nicht falsch, ich bin dankbar für meine Tochter und würde sie im Leben nicht mehr hergeben. Auch bereue ich nicht Mutter geworden zu sein ABER Sprüche wie „seit ich Mutter bin ist mein Leben wahlweise „sooo von Glück erfüllt/ weiß ich wie sich Leben anfühlt/ nur noch die pure Freude….“ echt jetzt? Findet ihr das nicht ein bisschen abgedreht? Wie oft habe ich mittlerweile schon im Bekanntenkreis gehört „ich hab mir das Kinderkriegen irgendwie romantischer vorgestellt“. Vielleicht suggerieren Sprüche wie die oben genannten einfach, dass man wenn mein ein Baby bekommt einfach 24/7 glücklich sein muss und falls man sich doch mal Kacke fühlt, darf bloß nicht drüber geredet werden. Man bekommt das Gefühl als dürfe man bloß nicht sagen, dass das ganze auch mit jeder menge Arbeit und Stress verbunden ist. Man könnte ja auffallen oder als schlechte Mutter gelten wenn man nicht Tag ein Tag aus nur so vor Glück platz weil man ein Kind hat. Und das finde ich nicht richtig.

Ich habe irgendwo mal einen Satz gelesen und ich bitte zu entschuldigen, dass ich nicht zitieren kann, weil ich nicht mehr weiß wo das war. Der Satz lautete in etwas so, dass Paare die ein Kind haben nicht glücklicher sind, aber zufriedener, weil das Leben einen neuen, tieferen Sinn bekommt. Diesen Satz würde ich sofort unterschreiben, genauso fühlt es sich für mich an. Ich war auch zuvor glücklich. Sehr sogar. Ich hatte eine coole Stundenzeit, hab keine Party ausgelassen, konnte mit meinem Gehalt gut Leben, auch Urlaube waren nie ein Problem. Spontane Treffen mit Freunden – na klar. Essen gehen mit den Liebsten, auf gehst. Mein Leben war also durchaus schon vor meiner Tochter recht zufriedenstellend. Warum also sollte ich nun behaupten jetzt so viel glücklicher zu sein? Ich bin jetzt auch glücklich, ja. An manchen Tagen aber halt auch mal nicht so. Da vermisse ich mein altes Leben. Das sind Tage an denen vielleicht grad die Backenzähne der Tochter durchkommen und alles was du machst einfach scheiße ist. Tage an denen dir dein Kind entweder mega leid tut oder dich auch mal an den Rand der Verzweiflung bringen kann. Und ich finde man sollte auch das mal ohne schlechtes Gewissen sagen dürfen, ohne dafür verurteilt zu werden. Es gibt nämlich keinen Grund dafür Wir alle geben wohl unser Bestes und keiner von uns hat tatsächlich einmal eine Bedienungsanleitung für die Minimenschlein bekommen. Die meisten dieser aufgedrückten Meinungen sind völlig subjektiv – auch wenn jede meint das Rad neu erfunden zu haben. Ich persönlich mach da nicht mit. Meine Freundinnen kriegen die pure Wahrheit gesagt und zwar nur auf Anfrage. Wenn ich schon gefragt wurde, wie wir das gemacht haben, dass unsere Tochter so gut schläft, dann werde ich auch weiterhin wahrheitsgemäß antworten, dass wir einfach nur viel Glück hatten und eigentlich „nichts“ gemacht haben. Das kam von alleine. Auch erzähle ich gerne wahrheitsgemäß, dass das erste Jahr für meinen Mann und mich auch keine leichte Zeit war obwohl wir eigentlich ein spitzen Team sind. Bis die Rollen und Aufgaben neu verteilt sind kann das oftmals zu vielen Spannungen führen. Aber auch hier denke ich, dass das vielen so geht. Die paar Beispiele die ich habe und von denen ich auch weiß, dass sie ehrlich sind, denen ging es allen so. Bei einem mehr, beim anderen weniger, aber nirgends gab es die „Familien-Idylle die nur aus purer Zufriedenheit und Glückseligkeit bestand. Es ist eine Veränderung und wie so oft ruckelt es halt auch hin und wieder bis man wieder auf der richtigen Spur ist. Das ist völlig normal, es ist nur wichtig wie man damit umgeht.

Ein paar Gedanken zum Thema Mutter werden, Eltern sein und für mehr Ehrlichkeit beim Thema Kinder großziehen. Einen schönen Tag euch allen.

Eure S♡

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