Silvester 2024 – wieder einmal voller Hoffnung ins neue Jahr
„Ein Jahr ist entschwunden und mit ihm die Stunden der Freude, des Leids. Was war, kommt nicht wieder, was ist, eilt vorüber. Sieh‘, ein neues dämmert bereits.„
Carl Peter Fröhling (*1933)
Seit Tagen will ich schreiben, doch stattdessen musste ich natürlich erstmal die Website nach meinem aktuellen Gusto aufhübschen.
Hallo ihr lieben GedankenReisenden,
es ist verrückt, der letzte wirkliche Eintrag auf meinem persönlichen Blog hier, liegt fast auf den Tag zwei Jahre zurück, damals war es der 30.12.2022. Da ich auf meinem Handy auch eine 2 Jahre alte Notiz gefunden haben, die mir in etwa die gleichen Probleme präsentierte, die mich auch heute wieder umtreiben, komme ich mir ein bisschen in der Zeit zurück vor. Der einzige Unterschied? Ich und alle um mich herum, sind älter geworden.
Da ich nun aber hier sitze, wieder einmal kurz vor Neujahr schreibe um einen klaren Kopf zu bekommen und meine Gedanken zu sortieren und mir das ganz deutlich bewusst macht, dass ich mich immer noch mit den selben Problemen wie vor zwei Jahren auseinander setzte, sich daran kaum etwas geändert hat und im Grunde nur ich selbst dafür verantwortlich bin, noch nichts entscheidendes geändert zu haben, das macht mich heute ein bisschen fertig.
Wann ist es Zeit Dinge loszulassen und wann hält man besser daran fest? Wie ätzend ist ätzend genug um Situationen und Gegebenheiten nicht mehr hinnehmen zu wollen? Was ist „normal“ und was bedeutet das für mich? Welchen Beitrag leiste ich zu dem Ganzen? Betrachte ich die Dinge ehrlich und realistisch oder mit (m)einer wütenden und verletzten Brille, die daher die Sicht deutlich trübt und im Grunde nicht der Wahrheit entspricht? Und kann ich dann etwas daran ändern? Muss ich etwas daran ändern? Wie?
Und was ist im Innen los? Ist da Wachstum oder ist es doch nur eine Illusion? Und was ist das Ziel? Der Sinn? Ist es Hochsensibilität oder ADHS? Vielleicht auch ein bisschen Autismus? Wer weiß das schon, wird man nie erfahren wenn man sich nicht darum kümmert. Doch wie kümmern, wenn man nie gelernt hat, das für sich selbst zu tun? Und wenn dem so ist, kann man es dann tatsächlich bei anderen? Oder versagt man auch hier auf ganzer Linie, gibt Traumata weiter und ist am Ende kein Stück besser als die, von denen man sich abgewendet hat? Und auch hier? War das richtig, war man zu grob? Menschen werden älter, vielleicht bleibt irgendwann keine Zeit mehr das Geschehene in andere Bahnen zu lenken. Kann man dann damit leben?
Und zu der Zeit ganz Allgemein. Wo ist sie hin? Meine Tochter kam doch gerade erst auf die Welt, jetzt ist sie sieben. Ich vermisse mein Baby, vermisse die Zeit, die mir in den Momenten so oft so unfassbar schwer vorkam. Vermisse, dass ich nicht besser im hier und jetzt war, habe Angst Fehler gemacht zu haben, die ich nicht mehr kitten kann. Und trotzdem, auch jetzt ist die Zeit oft schwer, die Tage lang, die Betreuung intensiv. In meinem Kopf immer die Fragen warum es so schwer ist. Warum für mich so schwer ist, was bei anderen so leicht erscheint. Und ich habe nur eins. Und auch wenn ich weiß, dass wir hier wahrscheinlich ein Haus voller Neurodivergenter Menschen haben, fühlt es sich so oft an wie versagen. Im Kopf immer die Idee wie es besser geht und gehen sollte, in der Umsetzung eine totale Niete.
Das Leben hat seine Leichtigkeit verloren, Verantwortung und Aufgaben erdrücken. Nach außen wirkt bestimmt alles wunderbar, im Innen sieht es anders aus. Und das bezieht sich sowohl auf das Haus als auf die Menschen darin.
An manchen Tagen ist die Sehnsucht erdrückend. Die Melancholie aus längst vergangener Zeit taucht öfter auf als gewünscht. Das Kopfkino hat die passenden Bilder, fröhliche Menschen. Unbeschwert. Voller Freude auf die Zukunft. Abenteuerlustig, spontan, verrückt, wild und ausgelassen. Doch zu schnell reißt einen eine neue Aufgabe aus den trüben und doch auch schönen Erinnerungsgedanken und klatscht einen mit voller Wucht auf den Boden der Tatsachen.
Dabei schaust du in ein Gesicht, dass plötzlich nicht mehr das Alte ist. Jetzt ist es eher alt. Das wird dir dann besonders morgens präsentiert, wenn du dich völlig zerknautscht versehentlich vor dem ersten Kaffee im Spiegel anguckst. Aber auch nach dem ersten Kaffee ist da nicht das Gesicht von früher. Das ist auf der einen Seite okay und auf der anderen Seite auch nicht. Ich sehe nicht mehr aus wie ich mich fühle, höchstens nach einer ausgiebigen SchminikiSchminki-Session find ich mich passabel und das nervt. Ich dachte ich wäre irgendwann mal völlig cool was das Älter werden angeht. Bin ich aber nicht. Und da frag ich mich, was mach ich denn mit 60, wenn mich das mit 40 schon so nervt? Wobei, hier denke ich dann immer wieder an meine Mama und die Tatsache, dass ich glücklich sein sollte, wenn ich 60 werde und meine Tochter aufwachsen sehe. Ihr und mir war das nicht vergönnt.
Auch eine Tatsache, die mich nervöser macht, als mir lieb ist. Ich komme langsam (okay, es sind noch knapp 10 Jahre, aber die Zeit rast) in das Alter meiner Mutter. Das macht mir ein bisschen Angst, besonders jetzt, da ich selbst Mutter bin. Ich habe noch sehr realistische Erinnerungen an die Zeit als meine Mutter krank war und natürlich bleibt da nicht aus, dass ich mich hin und wieder Frage, ob mir wohl ein ähnliches Schicksal droht. Das kann ich gar nicht steuern. Und die Gedanken daran mein Kind nicht aufwachsen zu sehen, erschlagen mich in solchen Momenten dann ebenfalls.
Vielleicht fühlt sich jemand ähnlich und liest dieses Gefühls-Wirrwarr hier. Dann sei dir gesagt, du bist nicht allein mit deinen Sorgen und Problemen. Wir alle haben unsere Päckchen. Manche sichtbar, die meisten unsichtbar. Ansonsten bietet der Beitrag wohl recht wenig Mehrwert für außenstehende Leser, dafür tat es mir unheimlich gut, meine vielen wirren Gedanken mal wieder auf Papier bzw. einen Bildschirm zu bringen.
Danke fürs Lesen und kommt gut ins neue Jahr.
Bis bald, eure Fay