Am Wochende war ich mit meiner Familie und unserem Hund am See. Eigentlich wollten wir nur ein wenig frische Luft schnappen, laufen, abschalten. Uns und dem Hund etwas Gutes tun. Der See lag ruhig da, umgeben von Steinen, Büschen und trockenem Gras. Auf den ersten Blick wirkte alles so idyllisch und unscheinbar wie immer.
Doch als wir so liefen, entdeckte ich ein (für mich) kleines Wunder der Natur und wäre beinahe auf „es“ drauf getreten…
Diese kleine, wunderschöne Blume. Sicher irgendeine Art von „Unkraut“ (wer definiert das eigentlich???) und doch so wunderschön zwischen all dem grau und verblassenden grün. Zart, aber kraftvoll. Mitten zwischen Steinen und Gestrüpp stand sie da, kaum einer, würde ihre wunderschöne Blüte je zu Gesicht bekommen. Hier, an diesem Ort, der am Wochenende oft wie ausgestorben wirkt und an dem uns noch nie jemand begegnet ist. Kein Ort, an dem man eine Blüte solcher Schönheit und Vielfalt erwartet. Und doch war sie da. Sie hat mich kurz gestoppt und erinnert, wie wichtig es ist, hinzusehen. Ich konnte nicht anders, ich musste sie fotografieren.
Achtsamkeit bedeutet Hinsehen
Oft rauschen wir durch den Alltag, ohne wirklich wahrzunehmen, was um uns herum passiert. Wir sind beschäftigt, planen, denken voraus. Achtsamkeit lädt uns ein, genau das zu unterbrechen, für einen Moment, in dem wir einfach nur da sind.
Es geht nicht darum, ständig ruhig oder perfekt ausgeglichen zu sein. Achtsamkeit beginnt im Kleinen. In dem Moment, in dem du spürst, wie der Wind über deine Haut streicht. In dem du deinen Atem wahrnimmst, ein Geräusch, einen Gedanken.
Als ich dort stand und auf diese kleine Blume schaute, war plötzlich alles still. Kein Lärm im Kopf, keine To-do-Liste. Nur dieser eine Augenblick, in dem alles einfach sein durfte.
Die Kraft des Unscheinbaren
Wir suchen oft nach dem Großen. Nach Erlebnissen, Erfolgen oder Momenten, die uns überwältigen. Dabei sind es meist die kleinen Dinge, die uns innerlich wirklich berühren.
- Der Duft von Kaffee am Morgen
- Ein Lächeln, das uns unerwartet begegnet
- Ein Sonnenstrahl, der kurz durch die Wolken fällt
Diese Kleinigkeiten holen uns zurück ins Jetzt. Sie erinnern uns daran, dass das Leben nicht irgendwann stattfindet, sondern in genau diesem Moment.
Wachstum trotz Widerstand
Die kleine Blume am See hat mir gezeigt, dass Leben selbst unter schwierigen Bedingungen entsteht. Zwischen Steinen, ohne viel Erde oder Schutz, hat sie ihren Platz gefunden und geblüht.
Wir glauben oft, Wachstum sei nur möglich, wenn alles perfekt ist. Wenn die Umstände stimmen, wenn wir uns bereit fühlen. Doch manchmal entsteht Stärke gerade dann, wenn die Umstände herausfordernd sind.
Wachstum passiert nicht nur trotz Widerstand, sondern oft durch ihn.
Achtsamkeit im Alltag
Achtsamkeit ist kein Ziel, das man erreichen muss. Es ist eher eine Haltung. Sie braucht keine stundenlangen Meditationen oder besonderen Rituale. Oft genügt es, im Alltag kleine Pausen einzubauen, um bewusster zu leben.
- Wenn du morgens aufwachst, bevor du aufs Handy schaust, strecke dich, komme im neuen Tag an, atme tief durch.
- Wenn du draußen bist, bewusst den Himmel oder einen Baum ansehen, die Jahreszeiten mit allen Sinnen wahrnehmen.
- Wenn du isst, wirklich schmecken, langsam kauen. Nicht nebenbei scrollen und am Ende nicht mal wissen, wie es eigentlich geschmeckt hat.
Solche kleinen Momente verändern mit der Zeit viel. Du beginnst, dich selbst und dein Umfeld klarer wahrzunehmen. Du reagierst weniger automatisch und spürst mehr Verbindung mit dir selbst und dem Leben.
Von der Kontrolle zur Präsenz
Viele Menschen glauben, Achtsamkeit bedeute, die Gedanken zu kontrollieren oder innerlich leer zu werden. Doch eigentlich geht es darum, bewusst wahrzunehmen, ohne zu bewerten.
Du musst deine Gedanken nicht stoppen. Es genügt, zu merken, dass sie da sind, und sie ziehen zu lassen. Das ist wahre Präsenz.
In solchen Momenten erkennst du, dass du mehr bist als das, was du gerade denkst oder fühlst. Du bist der Raum, in dem alles passiert.
Warum das Kleine so groß ist
Die kleine Blume wurde für mich zum Symbol für Lebenskraft. Sie hat mir gezeigt, dass Schönheit und Stärke auch dort entstehen können, wo man sie nicht erwartet.
Achtsamkeit hilft uns, solche Momente wahrzunehmen. Sie öffnet den Blick für das, was sonst im Alltag untergeht. Und sie erinnert uns daran, dass auch in uns diese Fähigkeit steckt, zu wachsen, zu blühen, zu leben.
Egal, wie steinig der Boden gerade scheint.
Ein Impuls für dich
Vielleicht magst du in den nächsten Tagen einen Moment bewusst langsamer gehen. Vielleicht schaust du dich um, ohne Ziel, einfach so. Manchmal entdecken wir genau dann etwas, das uns sonst entgangen wäre. Und vielleicht hast du ja Lust, mir davon ein Foto zu schicken und das Glück dieses schönen Momentes somit zu verdoppeln ;-).
Achtsamkeit beginnt dort, wo du aufhörst, zu suchen. Sie entsteht, wenn du wahrnimmst, was längst da ist. Es sind oft die kleinen Dinge, die uns zurück ins Leben holen.
Inspiration für eine kleine Achtsamkeitsübung
Wenn dich dieser Gedanke inspiriert hat, probiere in den nächsten Tagen eine kleine Achtsamkeitsübung aus. Setze dich für eine Minute hin, schließe die Augen und spüre, wie du atmest. Ohne Ziel, ohne Erwartung. Nur eine Minute, die hast du immer. Sei es dir wert, beginne mit kleinen Schritten.
Wenn du lernen möchtest, wie du solche Momente regelmäßig in dein Leben integrieren kannst, begleite ich dich gern auf deinem Weg. In meinen Coachings oder in meiner neuen Reihe rund um Achtsamkeit und Meditation hier auf dem Blog.
Einen wunderschön achtsamen Tag euch allen, passt auf euch auf.
Vielen lieben Dank für deinen Artikel, so wahr! Das Atmen scheint mir tatsächlich ein ganz großes und wirksames Tool zu sein, immer dabei und so leicht durchzuführen (zur Not auch im Supermarkt an der Schlange). Viele Grüße – Petra
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Liebe Petra,
vielen Dank für deine wertschätzenden Worte. Ja, das Atmen ist für mich tatsächlich die ultimative Geheimwaffe – immer verfügbar, wohltuend und so kraftvoll in seiner Einfachheit. Ich nutze es tatsächlich auch selbst jeden Abend zum Runterkommen vor dem Einschlafen, bereits im Bett liegend. Es hilft mir, den Geist zu beruhigen, das Herz zu entspannen und sanft zur Ruhe zu kommen. Es ist faszinierend, wie etwas so Selbstverständliches uns so tief erden kann. Lieben Dank, dass du deine Gedanken dazu hier geteilt hast.
Von Herzen
Fabienne 🤍
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